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Sartre auf dem Petrisberg
Eine Stimm-Klang-und-Objekt-Installation des Théâtre Tête à Tête

Die BesucherInnen betreten Baracke 008, die im Wesentlichen baugleich mit derjenigen ist, in der Jean-Paul Sartre im Winter 1940/41 gefangen saß. Auf den weißen Wänden des (offenen) Flures stehen Sätze aus Sartres „Mathieus Tagebuch“ mit schwarzer Kreide geschrieben. Kreidestücke hängen an Schnüren von der Decke herab. Mit ihnen können die Sätze kommentiert, kann der Flur beschrieben und bemalt werden. Während der sechs Monate der Installation verändert der Raum so allmählich sein Gesicht. Seine klare Struktur wird diffuser, löst sich auf, eben so, wie das frühere Leben der Gefangenen sich im Alltag des Lagers allmählich auflöste. Der zu Beginn saubere Flur wird am Ende der Großraumzelle, Raum 411 gleichen. 

Raum 411 soll in seinem jetzigen Zustand erhalten werden, die BesucherInnen können über eine Balustrade hineinsehen. Hier werden ein Feldbett und eine Stahltür aus dem ehemaligen Gefängnis zu sehen sein. Ein Scheinwerfer taucht die Stahltür in Licht, kleinere Spots spielen mit der vorgegebenen Struktur der Wände. Aus Lautsprechern hört man Fragmente und Dialoge aus Sartres „Mathieus Tagebuch“. Da wegen der baulichen Gegebenheiten nur wenige die Chance haben werden, die Einspielung komplett zu hören, wird auf die Historische Ausstellung im benachbarten Gebäude 009 verwiesen, wo man den reinen Text über Kopfhörer hören kann.

Hinter der verschlossenen, in ihrem ursprünglichen Zustand belassenen Tür von Raum 410 hört man einen Klangteppich aus Geräuschen, die entstehen, wenn fast 300 Männer eng gepfercht zusammen leben (Stimmengemurmel, Schnarchen usw.) 

Ebenfalls original erhalten bleibt Raum 415, die ehemaligen Toiletten. Hier flackert permanent eine Neonröhre und taucht den dunklen Raum für kurze Momente in kaltes Licht, das die hygienischen Zustände des Lagers erahnen läßt.

Im Flur erklingen aus vier Boxen Klangteppiche, abstrakte und konkrete Geräusche, die mit den Textstellen aus Raum 411 kommunizieren, sie konterkarieren oder verstärken. Die Stimm-und-Klang-Installation dauert eine knappe Stunde und soll ständig wiederholt werden.

Vieles soll in der großen Kuppel auf dem LGS-Gelände aufgenommen werden. Thomas Scheider fungiert als Hauptsprecher (Rolle des Jean-Paul Sartre / Mathieu), Klangkünstler und Bearbeiter der Aufnahmen am PC.